Der Gerechte wird verfolgt
Es mag seltsam erscheinen, über Mordabsichten gegen Jesus nachzudenken, aber es lohnt sich. Unser Herr sagte, dass seine Knechte nicht größer sein werden als er und bezog sich dabei ausdrücklich auf die Verfolgung, die er und entsprechend auch seine Nachfolger erdulden mussten (vgl. Joh 15,20). Nun müssen wir zwischen Verfolgung unterscheiden, die ein Knecht Jesu „um der Gerechtigkeit willen“ (Mt 5,10) erleidet, und anderen Gründen, die zu Bedrängnis führen. Um jedoch besser zu verstehen, was es bedeutet, um der Gerechtigkeit willen verfolgt zu werden, können wir auf Jesus als unseren Herrn und unser Vorbild schauen.
Heindrikje Kuhs hat sich die Mühe gemacht, die einschlägigen Texte genauer zu untersuchen, und kommt zu dem Schluss, dass sich Jesus aus Liebe zu uns und im Gehorsam gegen seinen Vater in die Hände seiner Feinde begeben hat.
Wie viel Feindschaft Jesus erlitt, zeigen schon die ersten Kapitel des Neuen Testaments. Als die Weisen aus dem Morgenland nach Jerusalem kamen, um den neugeborenen König der Juden anzubeten, sorgte dies für Beunruhigung in der Stadt und besonders im Palast des Herodes. Dieser schmiedete einen teuflischen Plan, doch der allwissende Gott deckte ihn auf, sodass die Weisen den Aufenthaltsort der jungen Familie nicht verrieten. Josef erhielt die Anweisung, nach Ägypten zu fliehen, „denn Herodes will das Kind suchen, um es umzubringen“ (Mt 2,13). Hier finden wir das erste Mal die Absicht eines Feindes, Jesus umzubringen – und das, bevor er irgendetwas gemacht hat als geboren zu sein. Als Herodes das Kind nicht fand, ließ er alle männlichen Babys in der Umgegend von Bethlehem töten. Diese schreckliche Geschichte zeigt, wie gefallen die Welt ist, in die der Sohn Gottes geboren wurde. „Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11).
Die nächste Mordabsicht findet sich zu Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu. In seiner Heimatstadt Nazareth las er in der Synagoge einen Abschnitt aus Jesaja: „Der Geist des Herrn ist auf mir…“ (Lk 4,18). In die gespannte Stille sprach er: „Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren!“ (Lk 4,21). Das war scheinbar nicht das, was die Synagogenbesucher hören wollten. Sie wollten und konnten nicht glauben, dass dieser junge Mann, den sie so gut zu kennen meinten, der Gesalbte und Gesandte Gottes sein sollte. Statt die Leute zu beschwichtigen, legte Jesus nach. Er erinnerte daran, dass Israels Propheten ihre Wunder nicht in ihrer Heimat taten, sondern von Gott an entlegene Orte und zu unerwarteten Personen geschickt wurden. Die Leute wollten Wunder und Spektakel sehen, doch Jesus machte klar, dass es diese hier nicht geben wird. Seine Mission war es, die Verlorenen zu suchen und zu retten. Über Jesu Worte waren die Synagogenbesucher so zornig, dass sie ihn zur Stadt hinausstießen und vom Berg hinabstürzen wollten (vgl. Lk 4,28–29).
Wir sind nicht Jesus, also werden wir nicht in die Situation kommen, unserem Heimatdorf zu erklären, dass wir nicht einfach der nette junge Mann aus der Nachbarschaft sind, sondern der Messias. Aber auch wir sollen in unserer Heimat, bei unseren Freunden und Verwandten offen über die göttlichen Dinge reden. Das mag Schwierigkeiten mit sich bringen (auch Jeremia erlebte Verfolgung von Leuten aus seiner Heimat, vgl. Jer 11,21), doch ist dies Leid „um der Gerechtigkeit willen“, worauf die Verheißung der Seligpreisung liegt.
Doch wie tragisch ist die Geschichte der Bewohner von Nazareth! Das Licht der Welt scheint in ihrer Stadt, doch sie verschließen ihre Augen und verwerfen es. Sie „nahmen Anstoß an ihm“ (Mt 13,57), obwohl doch derjenige „glückselig ist, wer nicht Anstoß nimmt an mir“ (Lk 7,23).
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