„Gesellschaftliche Zeitbombe“

Alle sind auf einmal überrascht: Fast jeder zweite Muslim in Deutschland unter 40 Jahren weist einer aktuellen Studie zufolge Affinität zu islamistischen Einstellungen auf.

Ich glaube, es wird jetzt ein paar Talkshows zu dem Thema geben und dann geht das einfach so weiter. Bekannt ist nämlich dieser Trend seit vielen Jahren und es ist so gut wie nichts passiert. Ganz im Gegenteil. Wer diese Zeitbombe thematisiert hat, wurde als islamophob hingestellt. Es ist gar nicht so lange her, dass ein ranghoher SPD-Politiker dafür plädiert hat, den Kampf gegen Islamfeindlichkeit in der Verfassung zu verankern

Ich zitiere aus einem aktuellen WELT-Beitrag: 

Nach der Veröffentlichung einer aktuellen Studie, wonach fast jeder zweite Muslim in Deutschland unter 40 Jahren Affinität zu islamistischen Einstellungen aufweist, zeigen sich Politiker und Experten entsetzt. FDP-Politiker Wolfgang Kubicki sagte der „Bild“-Zeitung, er sehe in den Ergebnissen eine „gesellschaftliche Zeitbombe“. „Die Politik des naiven Wegsehens hat diese Entwicklung begünstigt. Die Naivität muss aufhören“, sagte er. Er fordert ein Kopftuchverbot im Staatsdienst sowie an Schulen für Kinder unter 14 Jahren.

Manuel Ostermann, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft erklärte, Extremisten würden „eine fatale politische Korrektheit, Ignoranz und Tabuisierung, also unsere Schwäche“ ausnutzen. „Überall sehen wir Islamisten, die ihre verfassungsfeindliche Machtstruktur ausbreiten, selbstbewusster werden und den Rechtsstaat provozierend herausfordern.“

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) betonte, dass das Grundgesetz sowie das Strafrecht keine Scharia kennen. „Wir müssen damit rechnen, dass es im Gewand von Religion und Multikulti zunehmend gezielte Provokationen gegen Recht und Gesetz geben wird, denen unsere Sicherheitsbehörden schon im Keim offensiv und robust begegnen müssen“, erklärte er.

Mehr: www.welt.de.

Jesus als sittlich-religiöses Genie

Als ich vor rund 14 Jahren hier H. Richard Niebuhr zitierte, wusste ich noch nicht, dass sein Buch The Kingdom of God in Amerika (1937) im Jahr 1948 von Richard M. Honig in deutscher Sprache herausgegeben wurde. Inzwischen besitze ich das Buch und zitiere seine berühmte Beschreibung der liberalen Theologie im Kontext: 

Niebuhr schreibt (Der Gedanke des Gottesreichs im amerikanischen Christentum, New York: Church World Service, S. 140):

Da eine Versöhnung mit dem göttlichen Souverän nicht nötig erschien, war die Herrschaft Christi, gemäß der neuen Auffassung, an keine revolutionären Ereignisse in der Geschichte oder in dem Leben der Menschen geknüpft. Christus der Erlöser wurde zu Jesus, dem Lehrer und sittlich religiösen Genie, in dem die religiösen Fähigkeiten der Menschheit zur vollen Entfaltung gekommen waren. Darüber hinaus erschien die durchgreifende Umwälzung des inneren Lebens, für die der dynamische Protestantismus und die Erweckung gekämpft hatten, einem Liberalismus unnötig, der sich nicht allein der Gleichstellung dieser Umwälzung mit einer automatisch einsetzenden Bekehrung, sondern auch der Auffassung widersetzte, daß das Leben lasterhaft geworden war. Wenn er von einer Erneuerung sprach, hatte er nicht so sehr die Wiederherstellung der Gesundheit in einem erkrankten Körper als vielmehr die Beseitigung angehäuften Schuttes von überlieferten Glaubenssätzen oder überkommenen Sitten im Sinn. Evolution, Wachstum, Entwicklung, Kultur des religiösen Lebens, Pflege freundschaftlicher Gefühle, die Verbreitung menschenfreundlicher Ideale und der Fortschritt der Zivilisation traten an die Stelle der christlichen Revolution.

In ähnlicher Weise wurde die Vorstellung vom kommenden Reich ihres zwiefachen Charakters entkleidet. Man sah in diesem Reich die Erfüllung einer Verheißung, ohne daß ein göttliches Gericht in Erscheinung trat. Man unterstellte, daß es sich aus der Gegenwart entwickelte, sodaß keine große Krise erforderlich sei, die zwischen dem Gnadenzustand und dem der Herrlichkeit vermitteln müsse. In seiner einseitigen Auffassung vom Fortschritt, bei dem nur vom Wachstum des Weizens, nicht aber von dem Wuchern des Unkrauts, nur von dem Einsammeln des Kornes, nicht aber vom Verbrennen der Spreu die Rede war, erwies sich dieser Liberalismus in der Tat als naiv optimistisch.

Ein Gott ohne Zorn leitete Menschen ohne Sünde in ein Reich ohne Gericht durch die Vermittlung eines Christus ohne Kreuz.

Helft einander

Die Gemeinde ist unter anderem dafür da, dass wir uns einander dabei helfen, auf dem rechten Weg zu bleiben:

Christen sind Menschen, die untereinander „wahrhaftig in der Liebe“ sind (Eph 4,15). Das bedeutet, dass wir einander so sehr lieben, dass wir ehrlich über unsere Kämpfe sprechen und uns so umeinander kümmern, dass wir anderen in ihren Kämpfen beistehen. Wir gehen einander nach und sprechen über unangenehme Lebensbereiche, in denen wir sündigen, weil wir wissen, dass Isolation der Feind der Reinheit und Dunkelheit der Nährboden für Sünde ist.

„Authentisch“ zu sein ist jedoch kein Selbstzweck. Satan freut sich, wenn Menschen offen über ihre Sünden sprechen – solange sie keine Schritte in Richtung Buße unternehmen. Es gibt eine Heuchelei, die sich den Schein der Ernsthaftigkeit gibt, wobei sogar Tränen beim Bekennen einer Sünde vergossen werden können, ohne dass echte Schritte zur Veränderung gegangen werden. Wir müssen gesunde Beziehungen aufbauen, in denen wir uns gegenseitig barmherzig zu Ehrlichkeit und Buße anspornen.

Baust du bewusst intensive Beziehungen auf, in denen du göttliche Ermutigung, Bekenntnis und Zurechtweisung gibst und empfängst?

Mehr: www.evangelium21.net.

Francis Schaeffer: Moment für Moment auf Gottes Verheißungen vertrauen

Bruce A. Little beschreibt in dem Buch Why Truth Matters (DeWard Publishing, 2026, #ad), dass Francis Schaeffer am Ende seines Lebens sehr darüber besorgt war, dass Christen 

Bruce A. Little schreibt (S. 70–71): 

Als Schaeffer den Anhang A für die fünfbändige Ausgabe seiner Werke von 1982 verfasste, äußerte er eine Sorge, die er in den 1980er Jahren hatte – nämlich dass Christen versuchen würden, wahre Geistlichkeit als mechanische Formel zu leben. Schaeffer betonte jedoch wiederholt, dass wahre Spiritualität in der vollen Realität des Todes und der Auferstehung Christi gelebt wird. Es ist Leben, keine Formel. Dies, so Schaeffer, sei das Herzstück von L’Abri. Wahre Geistlichkeit bedeutet, die Realität des Todes und der Auferstehung Christi zu leben, damit der Christ in der Neuheit des Lebens wandeln kann. Es ist keine einmalige Verpflichtung. Diese Art zu leben bedeutet, von Moment zu Moment auf Gottes Verheißung zu vertrauen, dass wir mit Christus gekreuzigt worden sind und das Leben der Auferstehung erhalten haben, um in der Gegenwart zu leben.

Schaeffer verwies auf Texte wie Römer 6,1–12, um zu erklären, dass wahre Geistlichkeit keine ferne Realität in „dem zukünftigen Millennium oder der Ewigkeit“ ist; das ist etwas anderes. Jetzt können wir „in der Neuheit des Lebens wandeln“. Durch das Bekenntnis zu Christus wird der Geist des Menschen lebendig gemacht und das wiederhergestellt, was durch den Sündenfall verloren gegangen war. Wie sieht das in der täglichen Praxis aus? Schaeffer antwortete entschieden: „Zunächst einmal bedeutet es ganz sicher Folgendes: In unseren Gedanken und in unserem Leben sollen wir jetzt so leben, als wären wir bereits gestorben, im Himmel gewesen und als Auferstandene zurückgekehrt.” Er spricht hier nicht von einer physischen Erfahrung, sondern von einer geistlichen Realität, etwas, das im Bereich des Geistes geschieht, zu dem Christen gehören, ob sie es nun erkennen oder nicht.

Das Wort „geistlich“ bedeutet nicht, dass es nicht real ist, denn in gewisser Weise ist es realer als der Stuhl, auf dem ich gerade sitze. Schaeffer erklärte: „Wir, die wir jetzt die ‚Bürgschaft‘ des Heiligen Geistes haben und somit aufgrund der Realität des vollbrachten Werkes Christi Zugang haben – nicht in der Theorie, sondern in der Realität – zur Kraft des gekreuzigten, auferstandenen, verherrlichten Christus durch die Vermittlung des Heiligen Geistes.“ So wie man durch den Glauben errettet wird, so kommt auch wahre Geistlichkeit durch den Glauben; es ist ein momentanes Vertrauen in das Kreuz und die Auferstehung Christi, das nun für den Christen gilt. Es geschieht durch den Glauben und unabhängig von Werken, wie Schaeffer klarstellte: „Wahre Geistlichkeit wird nicht durch unsere eigene Kraft erreicht. Das „Wie“ der Art von Leben, von der wir gesprochen haben, das wahre christliche Leben, die wahre Spiritualität, steht in Römer 6,11: „So achtet auch ihr euch selbst (da ist der Glaube, dann der negative Aspekt) als tot für die Sünde (aber dann der positive Aspekt), aber lebendig für Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ Das ist das „Wie“, und es gibt kein anderes.“

Francis Schaeffer: Warum Wahrheit wichtig ist

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Bruce A. Little hat ein kleines Buch über Francis Schaeffer veröffentlicht. Why Truth Matters (DeWard Publishing, 2026, #ad) stellt sein einflussreiches Wirken vor und unterstreicht dessen Überzeugung, dass wahre Geistlichkeit ein Leben im Glauben ist, das jeden Augenblick von dem unfehlbaren Wort Gottes geprägt und geleitet wird. Ohne Vertrauen auf die objektive Offenbarung in der Heiligen Schrift läuft das christliche Leben Gefahr, die Orientierung vor Gott und in der Welt zu verlieren.

Ich werde ab heute einige Zitate aus dem gut lesbaren Buch veröffentlichen. Ich beginne mit einigen Ausführungen zu Geistliches Leben – Was ist das? (Haus der Bibel, 1975, #ad), ein Buch, dass für Schaeffer sehr wichtig war.

Bruce A. Little schreibt (S. 68–69): 

In Geistliches Leben – Was ist das? verdeutlichte Schaeffer die Grundlage dessen, was er als wahre Geistlichkeit bezeichnete – nämlich das christliche Leben. Er schrieb:

„Die Realität, im Glauben zu leben, als wären wir bereits gestorben, im Glauben in offener Gemeinschaft mit Gott zu leben und dann in die äußere Welt zurückzukehren, als wären wir bereits von den Toten auferstanden – das ist keine einmalige Angelegenheit, sondern eine Frage des Glaubens von Augenblick zu Augenblick und des Lebens von Augenblick zu Augenblick. Der Glaube von heute Morgen reicht für heute Mittag nicht aus. … Gott sei Dank für die Realität, für die wir geschaffen wurden, eine Kommunikation mit Gott selbst von Moment zu Moment. Wir sollten in der Tat dankbar sein, denn die Qualität von Augenblick zu Augenblick bringt das Ganze auf die Größe, die wir haben, so wie Gott uns geschaffen hat.“

Wie Jesus uns sagt, sollen wir um unser tägliches Brot beten, nicht um unser monatliches Brot So wie das Manna im Alten Testament, das am Montag gegeben wurde, für den Dienstag nicht ausreichen würde, so reicht der Glaube von heute Morgen nicht für heute Abend aus.

Über die Beziehung zwischen Rechtfertigung und wahrer Geistlichkeit sagte Schaeffer:

„Lassen Sie mich wiederholen: Der einzige Unterschied in der Praxis besteht darin, dass die Rechtfertigung ein für alle Mal geschieht, während das christliche Leben von Augenblick zu Augenblick gelebt wird. Das christliche Leben besteht darin, von Moment zu Moment nach dem gleichen Prinzip und auf die gleiche Weise zu handeln, wie ich im Moment meiner Rechtfertigung gehandelt habe.“

Später erklärte er: „Wenn wir also an Gottes Verheißungen glauben, wenden wir sie an – die gegenwärtige Bedeutung des Werkes Christi für den Christen – für und in diesem einen Moment – einen Moment nach dem anderen. Wenn man das nur erkennen kann, ändert sich alles.“

Existentiell gesehen wirkt wahre Spiritualität von Augenblick zu Augenblick, da der Christ aus dem Glauben an die Wahrheit der Gegenwart Gottes in ihm lebt, die durch den Glauben an das vollendete Werk Christi ermöglicht wird. Das habe ich einmal geglaubt, aber im Laufe der Jahre verlor diese Realität langsam ihren Platz in meinem Leben. Ich bin Schaeffer dankbar, dass er mich zu dieser grundlegenden Wahrheit des Christentums zurückgebracht hat.

Die verweigerte Verantwortung

Wir leben in einer Zeit, in der Verantwortung oft durch Verweigerung ersetzt wird, meint Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele. Ich stimme hier zu:

Wenn die Keimzelle der Gesellschaft, die Familie, so weit unterminiert wird, dass man die damit verbundene Verantwortung nur noch auf Zeit zu übernehmen bereit ist – nämlich für die Zeit ohne Gegenwind – und die damit verbundenen Verpflichtungen relativiert werden; wenn es sich die Großen in der Wirtschaft immer umfassender richten können, während es für die Kleinen immer härter wird; wenn Unternehmen verstärkt auf Zeitgeist und Compliance setzen statt auf echte Werte und eigene Haltung; wenn in der Politik immer mehr das Unrecht des Stärkeren salonfähig wird und das Recht zum Instrument der Mächtigen gerät, statt deren Macht zu beschränken; wenn Toleranz gefordert, aber nicht gezeigt wird; wenn Religion vom Bekenntnis zum Lippenbekenntnis degeneriert.

Wenn all das möglich ist – und genau das geschieht gerade –, dann leben wir im Zeitalter der Verantwortungsverweigerung. Diese Kultur der Verantwortungsverweigerung drückt sich besonders in Schuldverschiebung, in der Relativierung von Normen und Regeln sowie in folgenlosem Machtgebrauch und konsequenzlosem Machtmissbrauch aus. All das führt zu einem Vertrauensverlust, der Staat, Politik, Institutionen und sogar die Wissenschaft betrifft – zur Erosion von Recht, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Die Polarisierung der Gesellschaft ist eine unvermeidliche Folge, und genau diese erleben wir tagtäglich.

Mehr: www.die-tagespost.de.

„Das Autismus-Spektrum ist gescheitert“

Die in London lehrende Deutsche Uta Frith ist eine Pionierin der Autismusforschung. Sie trug maßgeblich dazu bei, den Begriff „Spektrum“ zu etablieren. Mittlerweile glaubt sie jedoch nicht mehr daran.

In einem Interview hat sie kürzlich, wie Die WELT berichtet, erklärt:

Im Interview mit dem „TES Magazine“ (früher „Times Educational Supplement“) schlägt Frith vor, künftig besser zwischen zwei Untergruppen zu unterscheiden. Die eine seien „Menschen, die in der frühen Kindheit diagnostiziert werden – in der Regel vor dem dritten oder fünften Lebensjahr, abhängig von Dingen wie ihren intellektuellen Fähigkeiten und ihrer Sprache.“ Von dieser Gruppe zu unterscheiden sei die andere, die erst viel später diagnostiziert wird: „Diese besteht aus vielen Jugendlichen, darunter viele junge Frauen. Dabei handelt es sich um Menschen ohne intellektuelle Beeinträchtigung, die vollkommen in der Lage sind, verbal und nonverbal zu kommunizieren, die sich aber in sozialen Situationen sehr ängstlich fühlen können. Sie sind vielleicht vor allem durch eine Art Überempfindlichkeit gekennzeichnet.“

Es ist laut Frith die zweite Gruppe, die mit erschreckender Geschwindigkeit wächst, während die Wachstumsrate der ersten Gruppe nur moderat ist. Und bei autistischen Kindern mit geistiger Behinderung habe es sogar überhaupt keinen Anstieg gegeben: „Diese Gruppe scheint ziemlich stabil zu sein.“

Mehr (hinter einer Bezahlschranke): www.welt.de.

„Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen“

Der Neurobiologe Martin Korte hat in der FAZ beschrieben, warum gerade Kinder so anfällig für Social-Media-Angebote sind. Dabei geht es nicht nur um Dopamin und Sucht, sondern auch um die Vorbildfunktion der Eltern. Korte plädiert dafür, dass die Eltern viel Zeit spielerisch mit den Kindern verbringen und dabei die Smartphones ausgeschaltet bleiben.

Zitat (FAZ, 09.03.2026, Nr. 57, S. 18):

Ganz im Sinne von Augustinus’ Ausspruch „Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen“ gilt aber, dass es nicht nur darum geht, wie viel Bildschirmzeit Kinder haben, sondern auch, was die Erziehungsberechtigten um sie herum für ein Mediennutzungsverhalten an den Tag legen. Bemerkenswert in diesem Kontext ist eine Studie von Chen Yu von der Indiana-Universität in den Vereinigten Staaten. Diese hat ergeben: Je konzentrierter die Eltern nur eine Sache anschauten (ohne Unterbrechungen!), umso konzentrierter waren auch die eigenen Kinder. Die Studie zeigte auch, dass Kinder umso schneller Spiele abbrechen, je häufiger die Eltern auf ihre Handys schauten. Kinder imitieren nicht nur das Onlineverhalten ihrer Eltern. Auch wie konzentriert sie versuchen, bei einer Tätigkeit zu bleiben, wird beeinflusst durch das, was ihre Eltern ihnen vorleben. Gerade das Spielen mit Kindern profitiert, wenn es ausschließlich stattfindet, also auch aufseiten der Eltern nicht gleichzeitig mit etwas anderem. Aber der Einfluss der digitalen Mediennutzung der Erziehungsberechtigten geht noch weiter: In einer Studie mit knapp 200 Eltern-Kind-Beziehungen über einen sechsmonatigen Beobachtungszeitraum zeigte sich eindeutig: Je mehr Zeit Eltern an Bildschirmen verbringen, umso aggressiver und unruhiger waren zweijährige Kinder, vor allem wohl, um die Aufmerksamkeit der Eltern zu erregen. Studien haben außerdem erbracht, dass die Schulleistung generell um sechs Prozent steigt, wenn Eltern die Handynutzung einschränken, unter schwächeren Schülern sogar um 14 Prozent.

Warum ist die Zeit des freien Spielens, der Interaktion mit Kindern und deren Chance, freie Zeit für sich und Freunde zu haben, so wichtig? Ein Grund liegt darin, dass Kinder darin geschult werden, selbst zu entscheiden und Aspekte ihres Lebens mitzugestalten; all das steigert die Selbstkompetenz. Die PISA-Studie definiert Selbstkompetenz als „selbständiges Handeln, das den Einzelnen in die Lage versetzt, sein Leben durch eigenständiges Kontrollieren der Lebens- und Arbeitsbedingungen auf verantwortungsvolle und sinnvolle Weise zu gestalten“. Die neueste PISA-Studie aus dem Jahr 2025 zeigt, dass gerade in Deutschland die Selbstkompetenz und Selbstwirksamkeit, der Glaube an die eigene Fähigkeit, mit Lernsituationen effektiv umgehen zu können und Schwierigkeiten zu überwinden, unter Jugendlichen sinkt. Diskutiert werden müsste, ob auch dies mit einem zunehmenden Medienkonsum in dem Sinne zusammenhängt, als dass dadurch bedingt weniger Zeit für freies kreatives Spielen vorhanden ist.

Beunruhigt es dich, wenn du dir und den Menschen missfällst?

Hans Joachim Iwand behauptet mit Luther, dass die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, allein bei und im Glauben an Jesus Christus zu finden ist (Glaubensgerechtigkeit, München: Kaiser, 1980, S. 111–112):

Um die Gottesgerechtigkeit, aus der der Glaube lebt, recht zu erfassen, muß man also alles andere sich aus dem Sinn schlagen: Gesetz, Werk, Gewissen, Vernunft, Gericht, Moral, und was der Dinge mehr sind, und – als fingen wir neu an zu leben, zu denken und zu begreifen – allein an Christus und aus ihm lernen, was „Gerechtigkeit Gottes“ heißt. Alles, was wir sonst davon wissen, hilft uns nicht, sondern hindert uns zu verstehen, was hier offenbar geworden ist.

Luther hat im Anschluß an Augustin diese Gerechtigkeit gern eine solche genannt, mit der uns „Gott bekleidet“, die er uns schenkt, und so wird sie auch meistens dargestellt. Aber es mangelt diesen Darstellungen, wie ich meine, das Empfinden für das eigentliche Problem, um das es geht: warum diese Gnade, dies Geschenk, Gerechtigkeit heißt und ist, Gottes-Gerechtigkeit! Wer weiß, ob wir trotz reicher Darstellung von Luther und seiner Lehre diesen letzten und entscheidenden Punkt bei ihm, ja mehr: diesen innersten Punkt des Evangeliums und der Offenbarung Gottes ganz verstanden haben; wer weiß, ob nicht unser landläufiges Verständnis zu einfach, zu sehr in gewohnten Bahnen laufend ist, ob wir nicht hier weiterfragen und suchen müssen?!

Luther hat einmal einen seltsamen Satz über diese Gottesgerechtigkeit geschrieben, der uns vielleicht Fingerzeig sein kann: „so daß Gott und wir in ein und derselben Gerechtigkeit sind, wie auch Gott mit demselben Wort schafft und wir sind, was er schafft, so daß wir in ihm sind und sein Sein unser Sein ist“. Der Vergleich mit der Schöpfung ist wichtig. Dieser in Christus uns begegnende Gott begegnet uns in der Tat als der Schöpfer, und das Sein, das er schafft, ist sein eigenes Sein. Nur daß hier Gott nicht schafft aus dem Nichts, sondern daß er erst zunichte machen muß, damit er neuschaffen kann! „Wer gerecht werden will, der muß zum Sünder werden, wer gesund werden möchte, gut, gerade, ja Gott ähnlich und ein christliches Glied der Kirche, der möge krank werden, böse, verkehrt, ja teuflisch, häretisch, ungläubig wie ein Türke, wie Paulus sagt: ,Wer unter euch will weise sein, der möge zum Toren werden, damit er weise werde.‘ [1 Kor 3,18] So möge denn diese Sentenz feststehen, denn so ist es der Wille Gottes im Himmel, daß er sich vorgenommen hat, durch Torheit hindurch weise, durch Schlechtigkeit hindurch gut, durch Sünde gerecht, durch Verkehrtheit gerade, durch Ungesundheit gesund, durch Ketzerei kirchlich, durch Unglaube Christen, durch die teuflische Form gottähnliche Menschen zu schaffen. Du fragst: Wie? Es soll dir schnell und kurz gesagt werden: Du kannst nicht der in Gott werden, der du möchtest, wenn du nicht zuvor der in dir selbst und vor den Menschen wirst, als den er dich will. Er will aber, daß du in dir selbst und vor den Menschen wirst, was du in Wahrheit bist, nämlich Sünder, böse, ungesund, verkehrt, teuflisch. Das sind deine Namen. Das sind deine Sachen, das ist deine Wahrheit selbst, und das ist die Demütigung; sobald das geschehen ist, bist du ja schon vor Gott, was du zu sein wünschtest, nämlich heilig, gut, wahr, gerade, fromm. Aus diesem Grunde wirst du ein anderer sein vor dir und den Menschen und ein anderer vor Gott. Was staunst du? Was beunruhigt es dich, wenn du dir und den Menschen mißfällst? Wenn du denen nicht mißfallen würdest, könntest du Gott nicht gefallen.“

Jesus starb für sein Volk

Das Johannesevangelium berichtet darüber, wie sich nach der Totenauferweckung von Lazarus (vgl. Joh 11,1–45) die Pharisäer gegen Jesus aus Nazareth verbündeten und seine Tötung beschlossen (vgl. 11,53).

Der Abschnitt enthält eine erstaunliche Aussage: Kaiphas (oder Kajafas), der damals Hoherpriester war, spricht quasi „ahnungslos“ ein prophetisches Wort, indem er erklärt, dass Jesus für die Kinder Gottes im jüdischen Volk sterben wird. Johannes ergänzt dann in einem Zusatz, dass Jesus auch für die Kinder Gottes in den anderen Völkern sterben werde. Nach der Genfer Übersetzung liest sich das wie folgt (11,49–52):

Einer von ihnen, ein gewisser Kajafas, der in jenem Jahr Hoherpriester war, sagte: „Begreift ihr denn überhaupt nichts? Habt ihr euch nie überlegt, dass es in eurem Interesse ist, wenn ein Mensch für das Volk stirbt und nicht das ganze Volk umkommt?“ Kajafas sagte das nicht aus sich selbst heraus. Er redete aus prophetischer Eingebung, weil er in jenem Jahr Hoherpriester war, und sagte voraus, dass Jesus für das ´jüdische` Volk sterben werde. Jesus starb allerdings nicht nur für das ´jüdische` Volk, sondern auch, um die ´über die ganze Welt` verstreuten Kinder Gottes zusammenzuführen und eins zu machen.

Hier wird bestätigt, was Jesus selbst zuvor im „Hirtenbild“ angekündigt hatte: „Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden“ (Joh 19,16). Jesus rettet demnach auch Schafe aus nichtjüdischen Ställen und versammelt sie mit den jüdischen Schafen unter seiner Aufsicht in einer Herde.

Der Reformator Johannes Calvin hat das sehr schön kommentiert (Johannes Calvin, Das Evangelium des Johannes, Bellingham, WA: Logos Bible Software, 2024, zu Joh 11,51–52):

Denn Jesus sollte sterben für das Volk usw. Die in diesen Sätzen gewählte Ausdrucksweise zeigt, dass unser Heil darin steht, dass Christus uns zu seinem Volke sammelt. Auf diese Weise verbindet er uns von neuem mit dem Vater, dem Quell alles Lebens. So lange bleibt die Menschheit zerrissen und gottentfremdet, bis sie, unter Christo, dem Haupte, vereinigt, zusammenwächst als eine Schar liebender Gotteskinder (vgl. Joh. 17,11.21; Eph. 1,10). Wollen wir im Vollgenusse des Heiles Christi stehen, so muss aller Zwiespalt beseitigt werden, und wir müssen eins werden mit Gott, seinen Engeln und allen wahren Christen. Ursache und Unterpfand dieser Einheit ist der Tod Christi, in welchem er alle Last auf sich genommen hat. Alltäglich eröffnet wird uns aber der Eintritt in Christi Hürden durch das Evangelium.

Und nicht für das Volk allein. Die in Christo geschehene Versöhnung erstreckt sich auch auf die Heiden. Aber wie kamen diejenigen zu dem schönen Namen der Kinder Gottes, welche, jammervoll hier- und dorthin zerstreut, sich auf ihren Irrwegen vielmehr als Feinde Gottes erwiesen? Antwort: Das liebende Herz Gottes gedachte ihrer schon als Gotteskinder, als sie ihrem ganzen Betragen nach noch irrende und verlorene Schafe waren, ja das Gegenteil von Schafen: Wölfe und reißende Tiere.

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